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Jelzin

 
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Helmut Eckert



Anmeldedatum: 21.05.2007
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 22.05.2007, 15:57    Titel: Jelzin Antworten mit Zitat

Boris Jelzin
Der russische Bauernsohn und Bauingenieur entwickelte in der
ausgehenden Sowjetunion der 1980er Jahre einen radikalen
Reformeifer, der selbst den neuen "Perestrojka"-Kurs von Michail
Gorbatschow übertraf. Als russischer Präsident begleitete er im
darauffolgenden Jahrzehnt die innere und außenpolitische
Umgestaltung der Russischen Föderation als ehemaligem Kern des
aufgelösten Sowjetreiches.
Biografie
Boris Nikolajewitsch Jelzin wurde am 1. Februar 1931 in Butka (Ural,
Rußland) als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Er wuchs in den
ärmlichsten Verhältnissen auf, die die Familie auf der Suche nach Arbeit
zur Landflucht veranlaßten.
Nach der Schule nahm Jelzin ein Studium am Polytechnischen Institut in
Swerdlowsk auf, das er 1955 als Bauingenieur abschloß. Während der
anschließenden beruflichen Tätigkeit stieg er in der öffentlichen
Bauverwaltung zum Chefingenieur auf. Als solcher leitete er ab 1963 das
Wohnungsbaukombinat in Swerdlowsk.
Obwohl Jelzin bereits 1961 in die KPdSU eintrat, setzte seine politische
Karriere in der Partei erst 1968 ein, als er zum Abteilungsleiter des
Parteikomitees des Swerdlowsker Gebietes ernannt wurde. 1975 stieg er
dort zum Sekretär, im Jahr darauf zum Ersten Sekretär auf. 1978 zog er
als Abgeordneter in den Unionssowjet des Obersten Sowjet ein. 1981
folgte seine Aufnahme in das Zentralkomitee (ZK) der KPdSU.
Jelzin war 1979-1984 in der sowjetischen Kommission für Transport, Post
und Fernmeldewesen tätig. Ab 1984 saß er im Präsidium des Obersten
Sowjet der Sowjetunion. Der neue Generalsekretär Michail Gorbatschow
berief ihn 1985 an die Spitze der ZK-Abteilung für Bauwesen in Moskau.
In der sowjetischen Hauptstadt stieg Jelzin bald zum Parteichef und
gefürchteten Funktionär auf, der gegen die Günstlingswirtschaft der
Parteielite Front machte. Noch radikaler als Gorbatschow forderte Jelzin
die Reform der KPdSU und den Abbau jeglicher Funktionärsprivilegien.
Mit Ungeduld mahnte er zu einer rascheren Umsetzung des neuen
politischen Kurses von "Glasnost" und "Perestrojka".
Differenzen mit der Moskauer Parteiführung führten im November 1987
zum Rücktritt Jelzins. Damit war das politische Engagement des
streitbaren Reformers aber noch lange nicht erschöpft. Er setzte sich
weiterhin für eine Beschleunigung der Reformen ein und wurde 1989 als
Abgeordneter eines Moskauer Wahlkreises in den Kongreß der
Volksdeputierten gewählt.
Im Mai 1989 zog Jelzin in den Obersten Sowjet ein, wo er sich zum
Nachname: Jelzin
Vorname: Boris
Geburtsdatum: 1931-02-01
Geburtsort: Butka (Russland)
Sternzeichen: Wassermann 21.01 - 19.02
heftigsten Kritiker Gorbatschows entwickelte, den er wegen der
Übernahme zahlreicher Machtfunktionen angriff. Noch im selben Jahr traf
Jelzin auf einer Vortragsreise durch die USA mit Präsident George Bush
zusammen.
Nach Jelzins Wahl von 1990 in den Volksdeputiertenkongreß der
Russischen Föderativen Sowjetrepublik wurde er zum Präsidenten des
Kongresses und damit auch der Republik nominiert. Kurz darauf legte er
seine KPdSU-Mitgliedschaft nieder, die sich mit seiner
parteiübergreifenden Funktion kaum vertrug. Nun fand er Gelegenheit,
endlich die lange beanstandeten Vorrechte für Führungsfunktionäre der
Partei völlig aufzuheben.
Am 12. Juni 1991 wurde Jelzin in den ersten direkten Volkswahlen zum
Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Zwei Monate später
profilierte sich der neue Präsident im erfolgreichen Widerstand gegen den
Putschversuch orthodox-kommunistischer Kräfte, die Michail
Gorbatschow auf der Krim gefangen genommen hatten. Seine Haltung
während des Putsches stärkte die politische Position Jelzins nachhaltig
vor allem gegenüber Gorbatschow.
Ende 1991 trat im Zuge der Auflösung der Sowjetunion, die durch die
Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) besiegelt
wurde, die Russische Föderation unter Jelzins Führung deren
diplomatische Nachfolge an. Der Präsident traf 1992 mit Präsident
George H. W. Bush in Washington zu Abrüstungsvereinbarungen
zusammen.
Die Präsidentschaft Jelzins war von schweren ökonomischen Problemen
gekennzeichnet, die von der marktwirtschaftlichen Öffnung des ehemals
sowjetischen Wirtschaftsraumes herrührten. Auch wurden innerhalb der
Russischen Föderation verstärkt ethnische und nationale
Differenzierungen spürbar, die sich in verschiedenen Regionen wie
Moldova, Georgien und Berg-Karabach in blutigen Kämpfen entluden, an
denen sich russische Truppen offen beteiligten.
Jelzin eignete sich bald die einst bei Gorbatschow kritisierte
Machtkonzentration selbst an. Der Präsident der Russischen Föderation
riss vorübergehend Ende 1991 das Amt des Regierungschefs und im
Frühjahr 1992 auch das Verteidigungsministerium an sich.
Dagegen setzte der Volksdeputiertenkongreß im Dezember 1992 durch,
daß der Präsident bei der Bestellung des Regierungschefs dem Kongreß
eine Kandidatenliste vorlegen sollte. Der zuvor von Jelzin nominierte
Jegor Gaidar erhielt nun eine Ablehnung, weshalb der Präsident Wiktor
Tschernomyrdin zum neuen Regierungschef nominierte. Zugleich
versuchte Jelzin zum Ausgleich für die eingebüßte Macht, die
Massenmedien seiner Kontrolle einzuverleiben.
1993 geriet der russische Präsident in einen permanenten Konflikt mit
dem Parlament, der durch Jelzins Pläne einer Verfassungsreform
ausgelöst wurde und in der verfassungswidrigen Auflösung des
Volksdeputiertenkongresses und des Obersten Sowjet am 21. September
seinen Höhepunkt erreichte. Die eigenmächtige Handlungsweise Jelzins
zog seine Absetzung durch den Obersten Sowjet nach sich, auf die er
wiederum mit der militärischen Belagerung des Parlamentsgebäudes
antwortete. Anfang Oktober 1993 eskalierte der Konflikt in offenen
Kämpfen, bei denen die aufständischen Parlamentarier das
Fernsehzentrum und andere öffentliche Behörden in Moskau unter ihre
Kontrolle brachten. Schließlich beendeten zu Jelzin loyale Truppenteile
den Aufstand.
Die anschließenden Neuwahlen vom Dezember 1993, die mit einem
Verfassungsreferendum kombiniert wurden, erbrachten zwar eine
Zustimmung zu Jelzins Verfassungsentwurf, für seine Gegner und die
Reformbremser jedoch auch eine neue Mehrheit im Parlament.
Noch vor Jahreswechsel besuchte der russische Präsident die NATO in
Belgien. 1994 kündigte Jelzin bei einem Russland-Besuch des US Präsidenten
Bill Clinton die Fortsetzung des Reformkurses an. Der
russische Präsident intervenierte auch im Bosnien-Konflikt, wo er
zwischen NATO und bosnischen Serben vermitteln konnte.
Im Innern wurde seine Amtszeit weiterhin von einem unaufhaltsamen
wirtschaftlichen Zerfall geprägt. Die Krise war nicht zuletzt
reformfeindlichen Kräften im Parlament und in den Behörden geschuldet,
die auf überkommenen Strukturen von Klientelismus und
Machtanmaßungen beharrten.
Trotz dieser Schwierigkeiten erreichte der russische Präsident 1996 seine
Wiederwahl. In seiner dritten Amtszeit übernahm Wladimir Putin 1999
die Führung der russischen Regierung. Ein Jahr später gewann Putin die
Präsidentschaftswahlen, um Boris Jelzin aus dem hohen Amt zu
verdrängen.
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