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Die DDR Kampftruppen

 
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BeitragVerfasst am: 03.06.2007, 12:33    Titel: Die DDR Kampftruppen Antworten mit Zitat

Die Schuhe blieben in den Betrieben

Durch SPD-Vize Thierse in der Diskussion: die DDR-Kampfgruppen

Berlin - Für den früheren CSU- Politiker Hans Graf Huyn war es "Honeckers Waffen-SS", Herbert Wehner dagegen lästerte über die "Filzlatschenleute". Und selbst der mit SED-Interna vertraute Sachbuchautor Volker Koop, der 1997 das bislang umfassendste Werk über die DDR-Kampfgruppen publizierte, mag sich über den wahren Charakter dieses immerhin 200 000 Mann starken "bewaffneten Organs" nicht eindeutig festlegen: "Armee oder Freizeitclub?" betitelt er sein Buch (Bouvier-Verlag, 48 Mark). Nun bringt SPD-Bundesvize Wolfgang Thierse die Kampfgruppen für die aktuelle politische Diskussion in Stellung: Mit dem Hinweis, der 13. August stehe "in der Tradition der Kampfgruppenaufmärsche", will er das Bundeswehrgelöbnis am 13. August in Berlin verhindern.
Die Kampfgruppen wurden aus dem Schrecken des 17. Juni heraus geboren: Denn anders, als die offizielle DDR-Propaganda weismachen wollte, wurde der Aufstand des 17. Juni 1953 nicht von "imperialistischen Mächten des Westens" geschürt, sondern entzündete sich von Rostock bis Suhl am Bürgerzorn. Streiks und Protestkundgebungen bis hin zur Forderung nach freien Wahlen zeigten der schockierten SED-Führung, daß selbst in Großbetrieben die sozialistische Idee kaum keimte. Gegen den Aufruhr bildeten eifrige Partei- und Werksleitungen vielerorts eilends Arbeiterwehren. Bereits am 13. August 1953 meldete der SED-Bezirk Halle Kampfgruppenaufstellungen in 16 Bergbau-, 15 Maschinenbau-, zwölf Chemie- und drei Metallurgiebetrieben. "Eine schlagkräftige Arbeiterwehr - der Garant der Sicherheit unseres Werkes!" schrieb damals der SED-Sekretär des Stahlwerks Brandenburg.

SED-Politbüro und Zentralkomitee, von der Einsatzfreude der Kasernierten Volkspolizei, dem Vorläufer der NVA, enttäuscht, sah in den Kampfgruppen ein wirksames Instrument, den kommunistischen Herrschaftsanspruch auch gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Die unkoordinierten Wehrgründungen wurden zusammengefaßt und der Partei als "unmittelbares bewaffnetes Organ der Arbeiterklasse" unterstellt. In späteren Jubelschriften wurden die Kampfgruppen mit dem kommunistischen Rotfrontkämpfern der Weimarer Republik verglichen.

Die Parteiarmee gliederte sich in drei Buchstabengruppen: Die Kampfgruppen "I" agierten in Industriebetrieben, "L" sollte in Agrarbetrieben kleine, kampfstarke Gruppen bilden, "weil die Parteiorganisation in den landwirtschaftlichen Betrieben durchweg schwächer ist als in Industriebetrieben", und "W"-Gruppen mußten in Wohngebieten Funktionäre und Versammlungen schützen und "durch ständige, beharrliche Aufklärungsarbeit unsere werktätigen Menschen zur aktiven Teilnahme am Kampf zur Errichtung eines demokratischen, friedliebenden Deutschlands mobilisieren". Doch der Kampfgeist war weit geringer als von der Partei erhofft: Noch im Frühjahr 1954 klagten SED-Kreisleitungen in vertraulichen Papieren, selbst SED-Mitglieder würden die Aufforderung, sich den Kampfgruppen anzuschließen, mit dem Hinweis ablehnen, sie wollten keine Neuauflage des *-Volkssturms.

Trotz Anlaufproblemen wuchs eine hochgerüstete Armee heran, die über Maschinengewehre, Artillerie und Panzerabwehrgeschütze verfügte. Aus dem blauen Schlosseranzug mit roter Armbinde wurde eine steingraue Uniform, das Abzeichen zeigte einen hochgereckten Karabiner mit roter Fahne.

Aus den Unterlagen gewann Koop die Überzeugung, daß die Kampfgruppen während des Ungarn-Aufstands 1956 das eigene Volk wirksam in Schach hielten. Unterschiedlich wurde dagegen ihre Rolle beim Bau der Mauer am 13. August 1961 beurteilt: Verläßlich und stabil seien sie beim Einsatz "zum Schutz der Staatsgrenze vor einem faschistischen Überfall" gewesen, hieß es offiziell, weshalb sie mehrfach durch Ost-Berlin marschieren durften. Intern aber hatte es Kritik gehagelt. So war die Hundertschaft Pankow um 1.40 Uhr morgens alarmiert worden und meldete auch bald Einsatzbereitschaft, obwohl nur jeder fünfte Kämpfer angetreten war. Zwei Tage nach der Alarmierung waren in Ost-Berlin nur 48 Prozent zum Einsatz erschienen.

Das Ende war sang- und klanglos. Honecker-Nachfolger Egon Krenz versuchte noch im November 1989 das "Schwert der Arbeiterklasse" vor dem Verfall zu retten, doch schon im Monat darauf beschloß der DDR-Ministerrat die Auflösung. Die Waffen wurden der NVA übergeben, Schuhe und Bekleidung durften in den Betrieben bleiben. Immerhin ein Lob fand Autor Koop bei seinen Recherchen: "In allen Berichten über die Übergriffe in den Herbstmonaten des Jahres 1989 findet sich nicht ein einziger Hinweis darauf, daß Angehörige von Kampfgruppen daran beteiligt gewesen wären."
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