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. - Viereinhalb Jahre Sibirien

 
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ReiBin
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Beiträge: 3089

BeitragVerfasst am: 01.06.2007, 20:58    Titel: . - Viereinhalb Jahre Sibirien Antworten mit Zitat

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Viereinhalb Jahre Sibirien
Immer noch fehlt es an der Anerkennung für die Leiden der deutschen Zivildeportierten

Bettina Vestring

Eva-Maria Stege war 16 Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. Auf der Flucht aus ihrem Heimatdorf Grochow im heutigen Polen fiel sie russischen Soldaten in die Hände, die sie über Wochen immer wieder vergewaltigten. Im Sommer 1945 wurde das junge Mädchen im Viehwaggon nach Sibirien verfrachtet. Viereinhalb Jahre lang schuftete sie dort, schleppte Steine, rührte Mörtel, hob Schächte aus, schippte Schnee. Zwei Drittel der Frauen im Lager starben, aber Stege hielt durch, bis sie im Oktober 1949 nach Deutschland zurückkehren durfte.

Keinen Pfennig Entschädigung hat sie für ihre Zeit im Gulag bekommen. Nicht zu DDR-Zeit, weil sich die ostdeutschen Behörden nicht vorstellen wollten, dass jemand jahrelang in der Sowjetunion einsitzen konnte, ohne Verbrecher zu sein. Auch nicht nach der Wende, weil die westdeutschen Politiker mit Rücksicht auf das neue Russland vom Unrecht der unmittelbaren Nachkriegszeit nichts wissen wollten. Selbst jetzt, wo Zehntausende von Opfern der SED endlich eine kleine Ehrenrente bekommen sollen, wird Stege leer ausgehen.

Denn Stege gehört zu den so genannten Zivildeportierten: den Deutschen, die in den Wirren des Jahres 1945 von der Straße weg verhaftet wurden, aber nie vor ein Gericht kamen. Zehntausende von Frauen wurden auf diese Weise in die Sowjetunion verschleppt. Weil nie ein Gerichtsurteil erging, das aufgehoben werden könnte, können sie nicht rehabilitiert werden. Das aber wäre Voraussetzung für eine Haftentschädigung. Auch die SED-Opferrente, die am 13. Juni vom Bundestag verabschiedet werden soll, wird nur den Häftlingen zu Gute kommen, die einst von einem russischen oder ostdeutschen Gericht verurteilt wurden. Wenn sie mehr als sechs Monate in Haft verbringen mussten, erhalten sie künftig 250 Euro Zusatzrente im Monat. Über die genauen Bedingungen für die Auszahlung wurde zwischen Union und SPD im Bundestag lange verhandelt. War zunächst vorgesehen, dass die einstigen SED-Opfer jedes halbe Jahr erneut einen Antrag stellen und dabei ihre Bedürftigkeit nachweisen sollten, soll jetzt ein einziger Antrag genügen, um die Ehrenrente bis zum Tod zu beziehen. Außerdem müssen andere Rentenansprüche nicht mehr verrechnet werden.

Dass der Gesetzgeber die Leiden der Gefangenen auf diesem Wege anerkennt, ist gewiss richtig. 42 000 ehemalige Häftlinge, schätzt das Bundesfinanzministerium, werden Anspruch auf diese Ehrenrente erheben können. Lange genug haben sie warten müssen. Die Zivildeportierten allerdings bleiben von der Ehrenrente ausgeschlossen. Den hoch betagten Frauen sei mit einer kleinen monatlichen Zusatzrente nicht sonderlich gut gedient, sagt der Unionsabgeordnete Arnold Vaatz. Stattdessen werde der Bundestag die Mittel der Häftlingshilfestiftung in Bonn aufstocken, um den Zivildeportierten großzügigere Hilfen zukommen zu lassen.

Das Gesetz, das dazu nötig ist, steht bislang allerdings noch nicht einmal auf dem Papier. Im September ist die erste Lesung geplant. Bis es in Kraft tritt, werden weitere Monate vergehen. Solange wird die Häftlingshilfestiftung ihre viel zu knapp bemessenen Gelder weiter nach Bedürftigkeit vergeben, und die muss jedes Jahr neu nachgewiesen werden. "Ich möchte kein Almosen, ich möchte Respekt und Anerkennung", sagt Eva-Maria Stege. Höchstens zweitausend der ehemaligen Zivildeportierten sind heute noch am Leben. Sie sind alt, sie sind oft schon sehr krank, und lange können sie nicht mehr warten.

Berliner Zeitung, 02.06.2007
_________________
In der ehemaligen DDR 1961 bis 1964 Haft wegen so genannter fortgesetzter staatsgef�hrdender Propaganda und Hetze
(� 19 Abs. 1 Ziff. 2 StEG)
Wehrdienstverweigerer und von Anfang an Mitorganisator und Teilnehmer der Montagsdemos in Leipzig, mit denen die Macht des SED-Regimes gebrochen und der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands freigek�mpft wurde.
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