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Arbeitsdienst in der DDR

 
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Helmut Eckert



Anmeldedatum: 21.05.2007
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 22.05.2007, 15:42    Titel: Arbeitsdienst in der DDR Antworten mit Zitat

Meine Freunde, aus meinem Archiv eine kleine Besonderheit, welche allgemein nicht bekannt ist. so gab es ab 1952 in der Zone einen Arbeitsdienst für jugendliche Bürger. Schauen wir etwas hinter die Zeilen dieser Gesetzestexte:
Zuerst fällt die allgemeine Propaganda auf. Wie gehabt, wie gelernt von den sowjetischen Freunden gehört zum Beginn eines neuen Gesetzes zuerst ein Schwall nichtssagender, großer Worte. So wird festgestellt, welche großartige, nie gekannte Perspektiven die Jugend angeblich hat. Das zeigte sich täglich durch die Fluchtbewegungen gerade der jungen Menschen aus der Zone in den freien Teil Deutschlands. Das waren die wirklichen guten und neuen Perspektiven der Jugend in der russischen Besatzungszone. .
Nach diesen Feststellungen der SED kommt die anzustrebende Belohnung: Der Jugend der Zone wird die glorreiche Aufnahme in die Reihen der " Jungen Erbauer des Sozialismus " angeboten. Das musst für sie so erstrebenswert gewesen sein, wie ein Arbeitsplatz im Uranbergbau der Wismut AG.
Nicht vergessen durfte der immer aufs Neue vorgetragener Satz über den planmäßigen Aufbau des Sozialismus werden. Das war die Tages- Wochen- Monats- Jahres- Aufgabe der SED Nomenklatura. Wobei es hier bei dem Wort "Aufgabe " eher um den Sinn einer Beendigung ging, wenn wir über die Erfolge beim "Aufbau des Sozialismus" reden. Schließlich fürte diese Aufgabenverteilung zur Aufgabe der DDR.
Betrachten wir uns nun die einzelnen Padagraphen diese Machwerkes der SED.
Um was ging es den Bonzen wirklich?
Es ging ihnen in erster Linie um die Freisetzung billiger Arbeitskräfte für ihre aberwitzigen Fünfjahrespläne. ein weitereer wichtiger Faktor war die Tatsache, dass sie die Jugend in zwentralen Arbeitslagern ideologische noch stärker beeinflussen konnte. Es gab den funktionären die Möglichkeit, geeignete Kader für ihre bewaffneten Organe auszusieben. wer sich somit in einem solchen sogenannten freiwilligen Dienst auszeichnete, konnte der Aufmerksamkeit der SED sicher sein. das führte natürlich zu dem Umkehrschluss, dass die Jugendlichen welche sich diesem Dienst für Deutschland verweigerten, erst Recht in das Blickfeld der SED und ihrem Staatssicherheitsdienst gerieten. Das hatte wiederum die negative Folge, dass diesen jungen Menschen ein späteres Studium sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich gemacht wurde. So schließt sich der Kreis. ein angeblicher freiwilliger Dienst führte in Wirklichkeit zu weiter Unfreiheit.
Nicht umsonnst hat die SED diesen Dienst direkt dem Innenministerium unterstellt. Nur von hier aus war eine direkte Kontrolle gegeben. Nur der Zentralrat der FDJ bot ausreichende ideologische Sicherheit. Erich Honecker war damals ein treuer Vasall von Ulbrichts Gnaden. Den unteren Abteilungen der FDJ konnte die SED Führung nie ganz sicher sein. Zu genau wussten die Betonköpfe um Ulbricht vom jugendlichen Aufbegehren der Jugend. Ein Willi Stoph hatte die Zügel im Ministerium des Inneren fest in der Hand. Er war Garant dafür, dass dieser Dienst genau nach den Vorstellungen des Politbüros tätig sein würde. Ein Zaissler stand dem MfS vor. Stop und Zaissler waren altgediente Kommunisten, die für die Machterhaltung der SED jederzeit über Leichen gingen.

Trotzdem scheint es mit dem " Dienst für Deutschland " nicht so gelaufen zu sein, wie es sich die SED Führung gedacht hatte. Schon nach den Ereignissen des 17. Junis 1953 war von diesem Dienst nicht mehr viel zu vernehmen. die Bildung der Kampftruppen, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht sorgte für einen ewigen Schlaf diese Dienstes.
Zum Schluss dieses Aufsatzes möchte ich noch den allzeit bekannten Satz aus der Bevölkerung der DDR in Erinnerung rufen: Sie nannte diese Freiwilligkeit: Freiwillige Zwangsverpflichtung.
Mölln, 04.08.03
Helmut Eckert
Gesetzblatt

der Deutschen Demokratischen Republik
1952 Berlin 1. August 1952 Nr.103
Verordnung über die Gründung der Organisation " Dienst für Deutschland "
Vom 24. Juli 1952

In der Deutschen Demokratischen Republik nimmt die Jugend im gesellschaftlichen und kulturellen Leben, beim wirtschaftlichen und staatlichen Aufbau eine hervorragende Stellung ein. Mit Hilfe der Regierung hat sich die Jugend ein neues Leben errichtet. durch den planmäßigen Aufbau des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik eröffnen sich vor der Jugend nie gekannte Perspektiven. Die Jugend in der DDR , die bereits Hervorragendes beim wirtschaftlichen Aufbau geleistet hat, ist bereit, weiterhin ihre ganzen Kräfte für die Festigung und Stärkung der volksdemokratischen Grundlagen unseres Staates einzusetzen. Sie tritt damit in die Reihen der jungen Erbauer des Sozialismus.

§ 1
Um der Jugend in der Deutschen Demokratischen Republik die Möglichkeit zu geben an den entscheidendsten sozialistischen Großbauten mitzuwirken wird die Organisation " Dienst für Deutschland " gegründet.

§ 2
Der "Dienst für Deutschland " hat die Aufgabe, den sozialistischen Aufbau in der DDR aktiv zu unterstützen, die staatsbürgerliche Erziehung der Jugend weitestgehend zu fördern und durch die Entfaltung der Körperkultur und des Sports die Gesundheit zu fördern und die Bereitschaft der Jugend zur Arbeit und zur Verteidigung des Friedens zu erhöhen. zur Erfüllung seiner Aufgaben faßt der "Dienst für Deutschland " Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter von 17 Jahren auf freiwilliger Grundlage in Jugendlagern zusammen. Es ist eine Ehre für jeden jungen Bürger der DDR in diesen Jugendlagern für die Dauer von sechs Monaten seiner Heimat zu dienen.

§ 3
zur Leitung des " Dienstes für Deutschland" wird beim Ministerium des Inneren die Hauptverwaltung " dienst für Deutschland" gebildet, die unmittelbar dem Minister des Inneren untersteht. Der " Dienst für Deutschland " gliedert sich in:

Hauptabteilung " Dienst für Deutschland "
Brigadeleitungen
Lager und Abteilungen

§ 4
Auf Vorschlag des Zentralrates der Freien Deutschen Jugend beruft der Minister des Inneren den Leiter der Hauptverwaltung " Dienst für Deutschland ", die stellvertretenden Leiter, sowie die Leiter der Brigaden. Alle weiteren Leiter der untergeordneten Einheiten des " Dienstes für Deutschland " werden durch den Leiter der Hauptverwaltung im Einvernehmen mit dem Zentralrat der Freien Deutschen Jugend berufen und bestätigt.

§ 5
Die Freie Deutsche Jugend erhält das Recht, die gesamte Jugend zum freiwilligen Eintritt in die Organisation " Dienst für Deutschland " aufzurufen und Maßnahmen für die Werbung der Jugendlichen einzuleiten. die Freie Deutsche Jugend hat das Recht, an der politischen Erziehung der Mitglieder des " Dienstes für Deutschland" aktiv mitzuwirken.

§ 6
Die gesamte innere Tätigkeit des " Dienstes für Deutschland " vollzieht sich nach einer vom Minister des Inneren bestätigten Dienstordnung.
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