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Der Stasi Knast Bautzen im Streit um Akteneinsicht

 
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ReiBin
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BeitragVerfasst am: 08.11.2007, 14:29    Titel: Der Stasi Knast Bautzen im Streit um Akteneinsicht Antworten mit Zitat

Gestohlene Lebenszeit

Der Stasi Knast Bautzen im Streit um Akteneinsicht

Thilo Gehrke, Gastautor


Die Freiganghöfe in Bautzen 2 - ehemaliger
Hochsicherheitsknast für Kriminelle.
(Fotos: Thilo Gehrke)


Auch heute, 17 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung befällt viele ein ungutes Gefühl, wenn sie an Bautzen denken, das Synonym für Unrecht und politische Verfolgung im kommunistischen Ostdeutschland.

Um die Jahrhundertwende wurden in Bautzen zwei Strafanstalten errichtet, die heute unter den Namen Bautzen 1 und Bautzen 2 bekannt sind. Die größere Justizvollzugsanstalt (JVA), das heutige Bautzen 1, trug wegen der Bauweise aus gelben Klinkern den Beinamen „gelbes Elend„. In der Nazizeit wurden hier politische Gegner inhaftiert, später errichteten die Sowjets eines ihrer gefürchteten Speziallager. Mindestens 2.800 Gefangene sollen von 1945 bis 1950 an den unmenschlichen Haftbedingungen verstorben sein. Bis zum Ende der DDR wurden in Bautzen 1 größtenteils Kriminelle mit längeren Haftstrafen inhaftiert, was auch
heute noch der Fall ist.

„Von jedem Verdächtigen ist ein Geständnis zu erlangen"

Im Gebäude des ehemaligen Gerichtsgefängnisses, des „Stasi-Knasts„ Bautzen 2, erinnert heute eine Gedenkstätte an die Opfer beider Gefängnisse. In diesem, der DDR-Bevölkerung als Hochsicherheitsknast für Schwerkriminelle bekannten Objekt, sperrte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) besonders gefährliche Staatsfeinde ein: Oppositionelle, Spione, Republikflüchtlinge und deren westliche Fluchthelfer sowie Abtrünnige innerhalb des Staats- und Militärapparates der DDR. Die Inhaftierung erfolgte getreu der Dienstanweisung des MfS: „Von jedem Verdächtigen ist ein Geständnis zu erlangen„. Zuvor kontrollierte die Geheimpolizei Briefe und Telefonate, durchsuchte konspirativ Wohnungen und beschlagnahmte „Beweismaterial„. Sogar die Anklageschriften und Urteile wurden von der Stasi vorgegeben. Viele politische Häftlinge, die es im offiziellen Sprachgebrauch der DDR nicht gab, wurden später für insgesamt 3,4 Mrd. Mark von der BRD freigekauft. Menschen hingegen, die ihrer Familie in die Freiheit verhelfen wollten, wurden von der ostdeutschen Justiz - sofern sie ihrer habhaft wurde - als Fluchthelfer wegen „Menschenhandels„ zu hohen Haftstrafen verurteilt.


Inhaftiert wurden Oppositionelle und Republikflüchtlinge.

Bautzen 2 war die einzige Strafvollzugseinrichtung der DDR, die inoffiziell von der Stasi geführt wurde, offiziell aber wie alle anderen Zuchthäuser dem Ministerium des Inneren unterstand. Alle Mitarbeiter in Schlüsselpositionen einschließlich des Gefängnispfarrers waren informelle Mitarbeiter (IM) des DDR-Geheimdienstes. Der Tagesablauf war militärisch streng reglementiert, sogar nachts war dem Häftling eine besondere Liegeordnung vorgeschrieben, bei der Hände und Gesicht ständig sichtbar sein mussten. Tagsüber war die Pritsche hochgekettet. Der „sozialistische Strafvollzug„ beim MfS war gekennzeichnet durch totale Überwachung, Isolierung und Bespitzelung. Noch heute werden bei Bauarbeiten in der Gedenkstätte Abhörwanzen in den Zellenwänden entdeckt. Betrat man die Haftanstalt, war im Eingangsbereich zu lesen: „Das Leben den Menschen, die Zukunft dem Kommunismus„.

Für den Schlaf gab es eine „Liegeordnung"

Nach Entlassung aller politischen Häftlinge im Dezember 1989 bestand die Haftanstalt Bautzen 2 noch bis 1992, wobei das bewährte Personal der ehemaligen Stasi-Sonderhaftanstalt weiterhin die verbliebenen Gefangenen überwachte. 1993 wurde dann der ehemalige Stasi-Knast Bautzen 2 besenrein an das „Bautzen-Komitee„ übergeben, eine Vereinigung ehemaliger Häftlinge, die sich für die Erhaltung der Gedenkstätte engagiert. Die Zusammenarbeit mit der JVA Bautzen 1 war in der Anfangsphase wenig konstruktiv, so das Bautzen-Komitee. Man wolle scheinbar beim Neustart nicht mit der Vergangenheit der Gedenkstätte konfrontiert werden. Immerhin wurden viele Mitarbeiter des ehemaligen Stasi-Knastes von
Bautzen 1 übernommen.

Verhindern Stasi-Seilschaften Aufklärung?


Das Vernehmungszimmer. D

Die 40-jährige Historikerin Silke Klewin aus Hannover ist seit 12 Jahren Leiterin der Gedenkstätte Bautzen 2. Sie beklagt die wenig konstruktive Zusammenarbeit mit der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BSTU). So käme es nicht selten vor, dass Anfragen für Forschungsaufträge oder Aktenanforderungen nicht oder erst nach etlichen Jahren so beantwortet werden. Auch seien Namen von Tätern aus den Akten geschwärzt. So sei im Falle des Schriftstellers und ehemaligen Bautzen-Häftlings Erich Loest bereits vor zehn Jahren Akteneinsicht beantragt worden. Deren Bearbeitung geschehe stets „mit der gebotenen Geschwindigkeit„, teilt die Chefin der BSTU, Marianne Birthler, einst selbst Bürgerrechtlerin in der DDR, mit. Immerhin habe die Gedenkstätte Bautzen 2 schon 30.000 Blatt Papier erhalten.

Papiere, auf denen größtenteils unerhebliche Gesetzestexte stünden, kontert Klewin. Mangelnde Mithilfe der Birthler-Behörde bei der Aufklärung der MfS-Verbrechen wird auch von anderen Gedenkstätten und Opfergruppen beklagt. Kritiker vermuten Stasi-Seilschaften, denn damals wurde ein nicht unerheblicher Teil von MFS-Mitarbeitern von der BSTU übernommen. Zur mangelnden Kooperation erklärte Birthler auf Anfrage, die Gedenkstätte Bautzen sei unfähig, Aktenanträge auszufüllen. Eine Antwort, die mittlerweile zehn Jahre Zeit und sieben Sachbearbeiter verschlungen hat.

Thilo Gehrke, 41, ist Journalist, Fotograf und freier Autor in Hamburg. Er hat die deutsche Wiedervereinigung unter sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aspekten medial begleitet und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Forum für Internartionale Sicherheit an der Führungsakademie der Bundeswehr.

Epoch Times Deutschland 08.11.2007 09:39
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In der ehemaligen DDR 1961 bis 1964 Haft wegen so genannter fortgesetzter staatsgef�hrdender Propaganda und Hetze
(� 19 Abs. 1 Ziff. 2 StEG)
Wehrdienstverweigerer und von Anfang an Mitorganisator und Teilnehmer der Montagsdemos in Leipzig, mit denen die Macht des SED-Regimes gebrochen und der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands freigek�mpft wurde.
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