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Haftbedingungen in den Strafanstalten der SBZ/DDR

 
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Profi



Anmeldedatum: 05.03.2008
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 09.03.2008, 10:30    Titel: Haftbedingungen in den Strafanstalten der SBZ/DDR Antworten mit Zitat

Wer war im KZ-ähnlichen Haftlager Schwarze Pumpe um das Jahr 1964 inhaftiert? Gab es dort oder im anderen Haftanstalten der Zone einen Gefangenensprecher? In der Münstersche Zeitung vom 10. Oktober 2007 behauptet ein Harry Hinz, er wäre in der schwarzen Pumpe als Gefangensprecher mit der Stasi angeeckt und brutal verprügelt worden.
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Arno



Anmeldedatum: 16.01.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 11.03.2008, 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ich war auch in den 60er Jahren in der Schwarzen Pumpe inhaftiert und suche Kameraden aus dieser Zeit zum Gedankenaustausch. Bitte im Forum eine Mail schicken. Von einem Gefangenensprecher habe ich noch nie etwas gehört und glaube auch nicht, daß die Stasi das zugelassen hätte.
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Heinz Sch.
Gast





BeitragVerfasst am: 05.04.2008, 20:46    Titel: Haftbedingungen in den Strafanstalten der SBZ/DDR Antworten mit Zitat

Lieber Arno, lieber Profi, als politischer Häftling der düsteren Zeit in der DDR habe ich mir oft unsinnige Geschichten von Möchtegernopfern anhören müssen. Wenn ich dann danach meine tatsächliche politische Haft und die von mir besuchten Haftanstalten ansagte, war meist das Stecknadelfallenlassensyndrom beim zuvor brüllenden Gegenüber auszumachen. Das beschreibt bei mir den Grund, Aussagen zur Haft, gerade in der Plausibilität genauer auf den Prüfstand zu stellen! Sehr häufig kommen verblüffende Ergebnisse zum Vorschein.

Ich habe aus Neugier mit unzähligen Haftkameraden Gespräche geführt, ob Zustände wie sie Hinz in seinen Zeitungsartikeln beschreibt tatsächlich anzutreffen waren. In der MZ vom 10.Oktober 2007 schildert er, als Zuzügler getarnt in die DDR eingereist zu sein, um mit seiner Freundin aus Dresden in den Westen zu fliehen. So wie ich Hinz weiter verstehe, hat die Mutter des Mädchens die anstehende Flucht verraten und so wurde Hinz verhaftet und avancierte in Schwarze Pumpe mit viel Ärger zum Gefangenensprecher. Unter Folter, berichtet Hinz, wollte die Stasi ihn als eingeschleusten Westagenten enttarnen. Als er nach der Folter wieder körperlich dazu in der Lage war, schrieb er Eingaben an alle DDR Oberen. 1966, so Hinz, wurde er wieder in den Westen zurückgeschleust.

Kann jemand bestätigen, dass es wirklich möglich war, aus Schwarze Pumpe heraus Eingaben an die DDR Oberen zu schreiben? Kam die Post auch da an? Wie muß man es verstehen, zurückgeschleust worden zu sein? Was hat es damit auf sich?

In der MZ vom 31.August 2007 war Hinz plötzlich Fluchthelfer?

Der NOZ vom 28.Dezember 2006 zufolge, zieht Hinz der Liebe wegen in den Osten und merkt aber ziemlich schnell, dass es für ihn dort keine Zukunft gibt. Er will fliehen und wird dabei erwischt.

Ich habe so das Gefühl, als wenn sich Hinz von Presseartikel zu Presseartikel immer mehr in der Rolle des Märtyrers gefällt und von Jahr zu Jahr genüsslich eine Figur spielt, die das Geschilderte in Wirklichkeit nie erlebt hat? Dass Schwarze Pumpe kein Zuckerschlecken war, wird jeder ehemalige Insasse vor Ehrfurcht bestätigen können.

Eine von Hinz selbst veröffentlichte Stasiseite beschreibt den Umstand, dass er einen erneuten Versuch unternehmen würde die DDR illegal zu verlassen. Die Seite erwähnt eine Staatsratseingabe Hinz, in der er sich auf seine Großmutter im Westen bezieht, die eine Hilfe für ihn sein kann.

Alles in allem glaube ich nicht wirklich seine neuerliche Erklärung in der Presse, der Liebe wegen in die DDR gezogen zu sein, um mit der Freundin in den Westen zu fliehen.

Für mich bleibt die einzelne Flucht eines Harry Hinz in den Westen mehr plausibel als jene in meinen Augen gesteigerten Vorstellungen späterer Zeitungsberichte. Schon die eigenartige Stigmatisierung zum Fluchthelfer, passt so ganz und gar nicht in die selbst veröffentlichte Stasiseite.

Bleibt in der Nachbetrachtung meine persönliche Frage, wie will Hinz, mit wenigen Wochen DDR Erfahrung, uns die DDR so erklären wie sie tatsächlich war? Meiner Meinung nach sehr vermessen! Was da auf uns zurollt, macht zumindest mir Angst und Bange!

Hinter den Zeilen des Hinz wird für mich sein geschildertes Desinteresse zur DDR deutlich und das insofern Aufklärung über die SED Diktatur aus seinem Mund nicht möglich ist. Hier stehe ich bei ihm!

Ich für meinen Teil würde mir weit über dieses Wissen hinaus kompetentere Aufklärer wünschen!

Heinz
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ReiBin
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BeitragVerfasst am: 27.07.2008, 08:50    Titel: Antworten mit Zitat

E I N S C H L U S S

Sommer in der Haftanstalt Erfurter Andreasstraße


Fotografien von Klaus Bach

Zur interessanten Webseite von Klaus Bach
http://www.einschluss.de/2008/fotoausstellung.html

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(� 19 Abs. 1 Ziff. 2 StEG)
Wehrdienstverweigerer und von Anfang an Mitorganisator und Teilnehmer der Montagsdemos in Leipzig, mit denen die Macht des SED-Regimes gebrochen und der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands freigek�mpft wurde.
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ReiBin
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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 07:41    Titel: Die drei schlimmsten Worte in der DDR: „Ab nach Bautzen!“ Antworten mit Zitat

Die drei schlimmsten Worte in der DDR: „Ab nach Bautzen!“

Geschrieben von Laura Küchler
04.08.2008

Menschen, die zu Nummern gemacht wurden. Grundlos und willkürlich Verhaftete. Folter und unmenschliche Haftbedingungen. Würde man einem Schüler diese Stichworte geben und fragen, was ihm dazu einfiele, er würde sie mit Sicherheit mit den * in Verbindung bringen, aber genau das passierte 40 Jahre lang unter der SED-Diktatur jeden Tag. Doch wie soll ein Schüler der Bundesrepublik das wissen, er kennt den anderen deutschen Staat doch allerhöchstens vom Namen, denn in den Schulen wird erschreckend wenig über die Geschichte der DDR und der neuen Bundesländer gelehrt.

Zum ganzen Artikel, 2 Teile, geht es hier:
http://www.blauenarzisse.de/v2/index.php?option=com_content&task=view&id=505&Itemid=1

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BeitragVerfasst am: 11.09.2008, 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Keine Fenster in Zellen - Schriftstellerin berichtet über menschenverachtende Bedingungen
Von Lutz Jordan

Einblicke in Stasi-Untersuchungshaft am Tag des offenen Denkmals

Rostock (AP) Wie ein Exot nimmt sich die einstige Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock auf der Liste der Bauten aus, die am Tag des offenen Denkmals nächsten Sonntag besichtigt werden können. Unter Kirchen, Burgen, Schlössern oder historischen Wohnhäusern wird aber auch dieser relativ junge Zweckbau als Monument einer Diktatur dem diesjährigen Veranstaltungsmotto «Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung» durchaus gerecht, wie Sachgebietsleiterin Beate Karow von der Rostocker
Außenstelle der Stasi-Unterlagen-Behörde erklärt. Die speziell für politische Häftlinge ausgerichtete Untersuchungshaftanstalt wurde in den 50er Jahren als DDR-weit erste ihrer Art geplant, gebaut und im Herbst 1960 in Betrieb genommen. Drei Zellenetagen mit offiziell 110 Häftlingsplätzen standen in direkter Verbindung zu den Vernehmungsräumen in der benachbarten Stasi-Bezirkszentrale, die zum Neubaukomplex gehörte. Die Einzelzellen in dem Stasi-Knast waren 7,5 Quadratmeter groß. Anstelle von Fenstern wurden blinde Glasbausteine eingebaut. Die Häftlinge sollten nicht sehen können, wo sie sich befinden, wie Karow erläutert. Im Keller des Gebäudes gab es vier Dunkelzellen, die nicht mehr im Originalzustand erhalten sind. Zum Freigang wurden die Häftlinge in sogenannte «Tigerkäfige» geführt. Für Außenstehende bestand keine Möglichkeit, den Innenhof einzusehen. In den umliegenden Häusern wohnten Stasi-Mitarbeiter. Neben der Gedenk- und Dokumentationsstätte «Opfer politischer Gewaltherrschaft», die in den 90er Jahren in der Rostocker U-Haftanstalt eingerichtet wurde, sind zum Tag des offenen Denkmals «vom Keller bis zum Dach erstmalig alle Bereiche unter Führung zu besichtigen», kündigt Karow an. In den Räumen der ehemaligen Haftanstalt ist heute eine ständige Ausstellung über Geschichte, Struktur und Wirkungsweise des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zu besichtigen. Zwtl: Tausende machten bittere Erfahrungen Tausende Regimegegner der DDR machten in dem Untersuchungsgefängnis bittere Erfahrungen mit den Schergen der SED-Diktatur. Die Gründe für quälende Verhöre, Gewaltanwendung und Gefangenschaft waren staatsfeindliche Äußerungen oder Fluchtversuche. So war die 1948 geborene, heute als Reiseschriftstellerin bekannte Carmen Rohrbach nach ihrer todesmutigen und schließlich missglückten Flucht mit einem Schlauchboot über die Ostsee 1974 dort inhaftiert. In Rostock fanden ihre ersten Vernehmungen statt, ehe sie für zwei Jahre in das berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck verfrachtet wurde. Sie wurde später von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Rohrbach war erschüttert «über die menschenverachtenden Haftbedingungen, die ich im 20. Jahrhundert in einem europäischen Land so nicht vermutet hätte», wie sie wiederholt bekundet hat. Am 4. Dezember 1989 kam mit der Wende das Ende des Rostocker Stasi-Objektes, als Bürgerrechtler vor dem Gebäude «Mahnwachen gegen die Vernichtung von Beweismitteln» errichteten und Einlass erzwangen. Gemeinsam mit der Polizei nahmen damals Bürgerkomitees die Stasi-Bezirkszentrale unter Kontrolle. Im März übernahm der Rostocker Pastor und spätere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, der Volkskammer-Abgeordnete Joachim Gauck, die Leitung des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des MfS. Der Tag des offenen Denkmals findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im September statt. Seit 1993 ist es der deutsche Beitrag zu den «European Heritage Days», die in mehr als 48 Ländern stattfinden. www.bstu.de www.tag

Quelle:
http://www.pr-inside.com/de/einblicke-in-stasi-untersuchungshaft-am-r799617.htm

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BeitragVerfasst am: 11.09.2008, 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Tag des offenen Denkmals
So schlimm war die Haft im DDR-Gefängnis


In den 60er Jahren wurde in Rostock ein menschenverachtendes Stasi-Gefängnis in Betrieb genommen. Tausende Regimekritiker wurden hier inhaftiert, in Einzelzellen mit blinden Glasbausteinen anstelle von Gittern. Ausgang gab es nur in den sogenannten "Tigerkäfigen". Zum Tag des offenen Denkmals berichten Augenzeugen von ihrer Haftzeit.


Wie ein Exot nimmt sich die einstige Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock auf der Liste der Bauten aus, die am Tag des offenen Denkmals nächsten Sonntag besichtigt werden können.

Unter Kirchen, Burgen, Schlössern oder historischen Wohnhäusern wird aber auch dieser relativ junge Zweckbau als Monument einer Diktatur dem diesjährigen Veranstaltungsmotto "Vergangenheit aufgedeckt – Archäologie und Bauforschung“ durchaus gerecht, wie Sachgebietsleiterin Beate Karow von der Rostocker Außenstelle der Stasi-Unterlagen-Behörde erklärt. Die speziell für politische Häftlinge ausgerichtete Untersuchungshaftanstalt wurde in den 50er Jahren als DDR-weit erste ihrer Art geplant, gebaut und im Herbst 1960 in Betrieb genommen. Drei Zellenetagen mit offiziell 110 Häftlingsplätzen standen in direkter Verbindung zu den Vernehmungsräumen in der benachbarten Stasi-Bezirkszentrale, die zum Neubaukomplex gehörte.

Die Einzelzellen in dem Stasi-Knast waren 7,5 Quadratmeter groß. Anstelle von Fenstern wurden blinde Glasbausteine eingebaut. Die Häftlinge sollten nicht sehen können, wo sie sich befinden, wie Karow erläutert. Im Keller des Gebäudes gab es vier Dunkelzellen, die nicht mehr im Originalzustand erhalten sind. Zum Freigang wurden die Häftlinge in sogenannte "Tigerkäfige“ geführt. Für Außenstehende bestand keine Möglichkeit, den Innenhof einzusehen. In den umliegenden Häusern wohnten Stasi-Mitarbeiter.

Neben der Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft“, die in den 90er Jahren in der Rostocker U-Haftanstalt eingerichtet wurde, sind zum Tag des offenen Denkmals "vom Keller bis zum Dach erstmalig alle Bereiche unter Führung zu besichtigen“, kündigt Karow an. In den Räumen der ehemaligen Haftanstalt ist heute eine ständige Ausstellung über Geschichte, Struktur und Wirkungsweise des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zu besichtigen.

Hier geht es zum ganzem Artikel:
http://www.welt.de/politik/article2427044/So-schlimm-war-die-Haft-im-DDR-Gefaengnis.html
Kommentar: Die Zelle nach der Abbildung im Artikel ist im Vergleich zu den Zellen im Stasi-Gefängnis Leipzig schon luxuriös zu nennen, siehe Link
Der verlogene Nachbau einer Stasi-Zelle im Museum Runde Ecke
http://www.sed.stasiopferinfo.com/phpBB2/viewtopic.php?t=322

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BeitragVerfasst am: 28.09.2008, 17:02    Titel: Antworten mit Zitat

Wagen für Gefangenentransport im ehemaligen Stasi-Knast

Die Dokumentations- und Gedenkstätte der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt hat ein neues Ausstellungsstück erhalten. Dabei handelt es sich um einen so genannten Gefangenen-Transport-Wagen (Gtw) der Marke "Barkas", der vom Verein Antistalinistische Aktion (Astak) in Berlin als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Rostock ist einer von insgesamt vier Standorten, an denen Interessierte das Fahrzeug besichtigen können.

In den Gtw hat sowohl das Ministerium für Staatssicherheit, als auch das Ministerium des Innern der DDR ihre Gefangenen transportiert. Zur Vorstellung des Originalfahrzeugs hat der Zeitzeuge Thomas Lukow (49), Vorstandsmitglied des Astak, seine persönlichen Erfahrungen geschildert.

Psychisches Folterinstrument

Saß er Anfang der 80er-Jahre doch selbst mehrfach eingezwängt in einer der fünf winzigen Zellen, in denen die Fahrt für die Häftlinge zur Tortur wurde, so der 49-jährige. "Das Auto war das erste Instrument für psychische Folter, bevor es zu einem Vermittlungsverfahren kam", sagte er , "der Barkas wurde ungefähr Ende der 80er Jahre gebaut und ist mit seinem Zweitakt-Motor ohne Katalysator nicht besonders innovativ." Trotzdem habe es lange Wartezeiten gegeben, bevor ein Betrieb so einen Kleinbus in der DDR erhalten konnte.

"Die persönliche Erfahrung wirkt auf mich noch immer sehr bedrückend". Denn an seinen persönlichen Gefangenentransport erinnert sich Lukow noch gut.

"Die Aufschriften waren Täuschung"

Seine Festnahme in Prag 1981 ist mit versuchter Republikflucht begründet worden. Die Überlieferung nach Ostberlin erlebte er mit angelegten Handschellen in einem solchen GTW. Das Fahrzeug hat keine Fenster und ihre Zwangsinsassen wurde absichtlich "kreuz und quer durch die ganze Stadt gefahren, obwohl in der DDR Benzinknappheit herrschte. Damit sollte bei den Beschuldigten eine Desorientierung hervorgerufen werden", erzählte der Zeitzeuge. Zudem war der Wagen nicht etwa als Gefangenentransport zu identifizieren, vielmehr wurde er äußerlich oft mit Aufschriften von Lebensmittellieferungen gekennzeichnet. Sogar die Fahrer seien der Täuschung entsprechend getarnt gewesen, zum Beispiel mit einem weißen Kittel.

Zum ganzem Artikel geht es hier:
http://www.nnn.de/lokales/rostock/artikeldetails/article/218/wagen-fuer-gefangenentransport-im-ehemaligen-stasi-knast.html

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BeitragVerfasst am: 24.03.2009, 12:00    Titel: Antworten mit Zitat

AUS DEM SPIEGEL-TV-ARCHIV
Video SPIEGEL TV:
Terrorstaat DDR: Psycho- Folter im Stasi- Knast
(v. 10.10.2008)
http://www.spiegel.de/Video/Video-38193.html

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BeitragVerfasst am: 26.04.2009, 09:30    Titel: STASI-Gefännis Berlin-Hohenschönhausen Antworten mit Zitat

STASI-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen

Zwei Videos

http://www.youtube.com/watch?v=TNbz8mYB_s0

http://www.youtube.com/watch?v=4K2aBW9bz9w

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BeitragVerfasst am: 26.04.2009, 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Haftarbeit in der DDR
«Die Vorstellung vom Steineklopfen ist falsch»


Von news.de-Redakteur Sebastian Haak

Wenn es um Gefängnisse in der DDR geht, denken viele Menschen zuerst an einen Stasi-Knast. Doch die Facetten des DDR-Strafvollzuges waren vielfältiger. Der Historiker Marcus Sonntag beleuchtet im Interview mit news.de das Dunkel der DDR-Haftarbeit.

Herr Sonntag, täuscht der Eindruck oder liegt die Geschichte der Haftarbeit in der DDR wirklich noch im Dunkeln?

Sonntag: Nein, der Eindruck täuscht nicht. Da liegt noch vieles im Dunkeln. Sowohl in den alten wie auch in den neuen Bundesländern herrscht hier weitgehende Unwissenheit. Insbesondere die Existenz von Arbeitslagern in der DDR ist vielen unbekannt.

Warum?

Sonntag: Im Zentrum der DDR-Vergangenheitsbewältigung stand zunächst vor allem der monströse Stasi-Apparat. Allerdings mischte auch die Stasi bei der Haftarbeit mit. Der Sicherheitsdienst beschäftigte selbst Haftarbeiter, zum Beispiel im «Lager X» in Berlin-Hohenschönhausen. Dort konstruierten besonders qualifizierte Haftarbeiter unter anderem Spionagetechnik – Autos mit automatisch wechselnden Nummernschildern beispielsweise. Erst nach und nach kamen andere Repressionsinstitutionen in den Blick. Und da schaute man meist zuerst auf die Schicksale der sogenannten politischen Häftlinge. Der normale Strafvollzug blieb oft außen vor, genauso wie die Untersuchung der Dimensionen der Haftarbeit.

Wie war Haftarbeit in der DDR organisiert?

Sonntag: Viele Betriebe setzten Haftarbeiter entweder direkt in ihren Fabrikationshallen ein oder ließen innerhalb der Haftanstalten produzieren. Zudem ließ die SED-Führung sogenannte Haftarbeitslager direkt bei wirtschaftlich sehr wichtigen Betrieben errichten. Die Lager befanden sich auch in Rechtsträgerschaft der Betriebe. Geregelt wurde das über Verträge mit der Strafvollzugsbehörde.

Was wollte man damit bezwecken?

Sonntag: Haftarbeit in der DDR hatte vor allem wirtschaftliche Hintergründe: Von Anfang an fehlten Arbeitskräfte in Ostdeutschland. Und eben weil der Bedarf an Arbeitskräften so groß war, wuchsen die Haftarbeitslager in den 1950er Jahren fast schon wild und unkontrolliert in der ganzen DDR. Vorwiegend wurde die Haftarbeiter im Bergbau, in der Eisen- und Stahlproduktion oder in Werften eingesetzt, aber auch in Steinbrüchen oder beim Flughafenbau, zum Beispiel in Schkeuditz. Aus verschiedenen Gründen wurden die Lager ab 1963 in Strafvollzugskommandos umbenannt, und ab 1975 hießen dann alle einheitlich Strafvollzugseinrichtung. Für die war in der DDR übrigens nicht das Justizministerium, sondern das Innenministerium zuständig.

Lässt sich der Umfang der Haftarbeit in Zahlen beschreiben?

Sonntag:
Schlaglichtartig, ja. Im Jahr 1962 gab es in der DDR 21 Haftarbeitslager. Dort waren zu diesem Zeitpunkt rund 8000 Personen inhaftiert. Dazu kamen noch die Arbeitserziehungskommandos, in denen seit 1961 als «arbeitsscheu» und «asozial» geltende Menschen inhaftiert waren. Davon gab es 1962 fünf mit etwa 1000 Insassen. 1964 arbeiteten insgesamt rund 15.000 Strafgefangene für 174 volkseigene Betriebe. «Erziehung durch Arbeit» war im Allgemeinen eine der Hauptaufgaben des sozialistischen Strafvollzuges. Nicht nur die ökonomische, sondern auch die vermeintlich erzieherische Funktion der Haftarbeit sollte den massiven Einsatz von Häftlingen in der Produktion legitimieren.

Wenn in den Arbeitserziehungskommandos «Arbeitsscheue» und «Asoziale» saßen – wer wurde in gewöhnlichen Haftarbeitslagern inhaftiert?

Sonntag: Allgemein saßen in Haftarbeitslagern Straftäter mit kürzeren Haftstrafen, also Leichtverbrecher; aber auch politische Gefangene. Die Vorstellung, dass dort Schwerverbrecher einsaßen, die im Steinbruch für den Rest ihres Lebens Steine klopften, ist völlig falsch. Das lag schon daran, dass die baulichen Gegebenheiten eines Lagers oft weniger Sicherheit boten als feste Einrichtungen. Die Häftlinge waren meist völlig in die Betriebsabläufe der Unternehmen integriert, bekamen etwa ihr Essen von den Betriebskantinen. Und damit waren die Fluchtmöglichkeiten auch besser. Allerdings gab es Zeiten, in denen die Nachfrage nach Haftarbeitern so groß war, dass man weniger sensibel auswählte. Es ist vielleicht ein wenig überspitzt ausgedrückt, aber man kann schon fast sagen: In den 1950er Jahren wurde nahezu jeder Häftling in den Bergbau gesteckt, der dazu körperlich in der Lage war.

Wie waren die Bedingungen, unter denen die Menschen in den Lagern lebten?

Sonntag: Ich hatte es schon angedeutet: In einem Haftarbeitslager seine Strafe zu verbüßen, kam in vielen Fällen eher einer Hafterleichterung gleich. Gespräche mit ehemaligen Haftarbeitern bestätigen das. Auch wenn das immer sehr stark vom Einzelfall abhing, kann man schon sagen: Viele saßen lieber in einem Haftarbeitslager als im normalen Vollzug ihre Strafe ab. So waren die sanitären Anlagen und hygienischen Bedingungen teilweise besser, weil viele der Lager erst nach 1949 gebaut wurden und nicht so abgenutzt waren wie die oft wesentlich älteren Gefängnisse. Des Weiteren fiel die Entlohnung der Gefangenen für die anstrengende und gefährliche Arbeit höher aus als anderswo. Die bessere Behandlung der Häftlinge in den Lagern lag zudem wahrscheinlich daran, dass man einfach auf ihre Arbeitskraft angewiesen war. Im Übrigen wurde das von der Volkspolizei, die die Lager betrieb, ganz genauso gesehen. Eine Rückverlegung in den normalen Vollzug wurde als Disziplinierungsmaßnahme, ja als Strafe verstanden.

Sie haben es schon angesprochen: Der Gedanke «Erziehung durch Arbeit» spielte im DDR-Strafvollzug eine große Rolle, jedenfalls in der Theorie...

Sonntag: Im Strafvollzug war der Gedanke von einer möglichen Erziehung des Menschen durch Arbeit omnipräsent. Das ist aber kein DDR-spezifisches Phänomen. Diese Idee, dass man Menschen durch Arbeit erziehen und sogar bessern kann, ist seit dem späten 18., frühen 19. Jahrhundert weit verbreitet. Und deshalb spielte das auch immer wieder in der Schulerziehung eine große Rolle, unter anderem auch in der DDR. Aber nicht allein die Arbeit sollte edukativ wirken, sondern auch Bildungsmaßnahmen. Doch so wichtig diese Ideen auch in der Theorie waren, so sehr wurde der Tagesablauf im DDR-Strafvollzug oft durch wirtschaftliche Zwänge bestimmt. Im Zweifel wurde also mehr gearbeitet, und ergänzende Schulungen mussten hintanstehen. Andererseits war es von der Ideologie her nur folgerichtig, den Vollzugsalltag auf den Arbeitseinsatz zu konzentrieren. Denn an der Arbeitsleistung hat man oft die Umerziehungsleistung gemessen. Wer gut arbeitet, so dachte man, der findet seinen Weg zurück in die sozialistische Gesellschaft.

Hatte die Haftarbeit eine Bedeutung für die deutsch-deutschen Beziehungen?

Sonntag: Ich würde sagen: eine untergeordnete. In den 1950er Jahren war die Existenz der Haftarbeitslager in der Bundesrepublik zwar vereinzelt ein Thema – oft nach dem Motto: «Schaut euch die Ostzone an! Da gibt es noch KZs.» Aber später nahm das ab. Vielleicht liegt das unter anderem daran, dass westliche Unternehmen Produkte aus der DDR bezogen, die mit Hilfe von Haftarbeitern erzeugt wurden. Im Einzelfall ist aber schwer zu klären, ob eine jeweilige Firma das so genau wusste.

Marcus Sonntag ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Zeitgeschichte an der Universität Erfurt. Die Geschichte des Strafvollzuges in der DDR und von Arbeit und Arbeitserziehung sind zwei seiner Forschungsschwerpunkte.

Quelle
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BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 08:39    Titel: Antworten mit Zitat

Im ,U-Boot‘ wurden Stasi-Schergen zu Folterern
Im Berliner Gefängnis Hohenschönhausen schrieb die Geheimpolizei ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte


Wer in der Demokratie schläft, braucht sich zu nicht wundern, wenn er in einer Diktatur wieder aufwacht - das ist die Überzeugung der ehemaligen Häftlinge des Berliner Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen. Weil sie die Hölle selbst erlebt haben, führen einige von ihnen Besucher durch die Zellen, in denen sich eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte abgespielt hat. Ein Kapitel, in dem Willkür, Folter und Psychoterror Alltag waren.

«Würdest du zugeben, dass du deine Schwester ermordet hast», fragt Norbert Krebs einen Jugendlichen mit lässig nach hinten gedrehtem Käppi. «Nee, ich hab ja nicht mal eine», antwortet der und grinst. Krebs beugt sich vor, blickt ihm tief in die Augen. «Ich wette, du würdest trotzdem. Hier unten hat jeder alles gestanden». Krebs öffnet eine Eisentür und führt die Schulklasse über eine schmale Steintreppe hinab ins so genannte «U-Boot».

72 Stunden nackte Qual

Die Luft ist anders hier unten. Knapper, leerer. Einige Schüler klappen ihre Krägen hoch, werden unwillkürlich leiser, als sie durch den von kaltem Neonlicht gefluteten Flur gehen. Ein Stück Putz bröckelt von der schmutzweißen Wand, als Krebs eine der grauen Türen öffnet. Das Innere der Zelle ist vollständig mit Stahl ausgeschlagen, im Zickzackmuster ist scharfkantiger Gummi in Wände und Boden eingelassen. «Sieht aus wie ein gigantischer Pirelli-Reifen», scherzt einer der Schüler. Das Lachen der anderen verstummt, als Krebs zu schildern beginnt, was sich hier ab 1946 - zunächst unter der Regie der sowjetischen Besatzer - abgespielt hat.

Wer nicht kooperieren wollte, wurde von den Wärtern nackt in die acht Grad kalte Zelle gesperrt. Immer wieder öffneten sie die Tür, schütteten sie dem Häftling einen Schwall Wasser ins Gesicht. Er fror bitterlich, die schneidenden Gummibänder am Boden zwangen ihn, krumm zu stehen, die an den Wänden verboten jedes Anlehnen zum Ausruhen. Seine Notdurft musste er ins kalte Wasser am Boden verrichten. Mindestens 48 Stunden, maximal aber 72 Stunden konnte die Prozedur dauern. «Man wollte schließlich niemanden töten, sondern nur zur Einsicht bringen», sagt Krebs und schließt die Tür.

Arbeitsrichtlinie zur "Zersetzung der Seele"

Allein im Jahr 1946, als die sowjetischen Besatzer die ehemalige Großküche der * zum Untersuchungsgefängnis auszubauen begannen, starben hier 900 Menschen. An den katastrophalen hygienischen Bedingungen, aber auch durch perfide Foltermethoden. Nach dem Tod Josef Stalins 1953 und somit kurz nach der Übernahme des Gefängnisses durch die Staatssicherheit zwei Jahre zuvor, wurden derartige Verfahren verboten. Die DDR verstand sich als humane Gesellschaftsform, wollte Menschen nicht foltern, sondern «erziehen». Schnell fanden die Schergen der Gedankenpolizei, die der Arbeitsrichtlinie zur «Zersetzung der Seele» verpflichtet waren, in der psychischen Marter eine effektive Alternative. Sie hinterließ keine Spuren am Leib, dafür aber umso tiefere an der Seele.

Wie bei Norbert Krebs. Weil er den Ausgang der Volkskammerwahlen im Mai 1989 öffentlich anzweifelte, wurde er nach Hohenschönhausen gebracht. Nur sechs Wochen war er hier, bevor man ihn in die Bundesrepublik abschob. Diese Zeit genügte, um den politisch aktiven Menschen für Jahre zum Schweigen zu bringen, sein Vertrauen in andere zu zerstören, Schlafstörungen und Angstzustände zum Teil seines Lebens zu machen. Vor fünf Jahren fasste er sich ein Herz und wurde einer von rund 30 ehemaligen Gefangenen, die Besucher durch ein immer noch von vielen Regimeanhängern geleugnetes Kapitel der DDR-Diktatur führen. Allein 250 000 waren es im vergangenen Jahr. Und gerade junge Leute staunen ungläubig, was noch bis kurz vor ihrer Geburt alltägliche Praxis im Ostteil des gespaltenen Landes war, erzählt der ehemalige Häftling.

"Ihre Familie ist tot"

Im Bauch des Gefängnisses lässt Krebs die Essensklappe der nächsten Zellentür auffallen, die Schüler drängen sich gebückt um die Öffnung, wollen einen Blick ins Innere erhaschen. Doch sie sehen nichts. In der Zelle ist alles von undurchdringlichem Dunkel verschluckt. Lichtentzug – eine beliebte Form psychischer Folter. Krebs knipst von außen das Licht an, die Schüler schnellen, geblendet von der 200 Watt-Birne, mit zusammengekniffenen Augen zurück. Schlafentzug durch extremes Licht – eine weitere effektive Methode, Menschen zu Geständnissen zu bewegen. Ohne ihnen auch nur ein Haar zu krümmen.

Wenn «die Feinde des Staates», wie Stasi-Chef Erich Mielke alle Andersdenkenden nannte, auch dann nicht kooperierten, war man um Alternativen nicht verlegen. Einige holte man in den Verhörraum, teilte ihnen den tragischen Tod ihrer Familien mit. Und sperrte sie mit dieser angeblichen Gewissheit zwei Wochen in Isolationshaft. Wenn man sie wieder herausholte, waren die Menschen meist nicht mehr dieselben: Sie waren dem Wahnsinn nah, apathisch, hungerten nach menschlicher Nähe – und sei es die des freundlichen Ermittlers, der einem so nett zuredet und dann ein Blatt zur Unterschrift reicht.

Anstalt zur Produktion von Geständnissen

«Verdammter Mist», sagt der Junge und fingert an seinem Käppi, als die Gruppe wieder im Hof vor dem Backsteingebäude steht. «Ich hätte denen auch alles gesagt. Selbst einen Mord hätt’ ich gestanden.» Krebs nickt. «Es liegt bei euch, dass so etwas nie wieder passiert. Sprecht, wenn man euch zwingt zu schweigen, deutet mit dem Finger auf Dinge im Dunkeln. Es ist eure Pflicht als freie Menschen!» Keiner grinst bei dieser moralischen Belehrung. Als die Schüler durch die Gefängnistore ins Freie gehen, sind viele ins Gespräch vertieft. Krebs steckt sich eine Zigarette an, inhaliert tief. Und geht strammen Schrittes auf die nächste Gruppe zu.

Nicole Netter

Zur Quelle mit Fotos:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1016384&kat=3

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In der ehemaligen DDR 1961 bis 1964 Haft wegen so genannter fortgesetzter staatsgef�hrdender Propaganda und Hetze
(� 19 Abs. 1 Ziff. 2 StEG)
Wehrdienstverweigerer und von Anfang an Mitorganisator und Teilnehmer der Montagsdemos in Leipzig, mit denen die Macht des SED-Regimes gebrochen und der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands freigek�mpft wurde.
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BeitragVerfasst am: 05.08.2010, 20:11    Titel: Antworten mit Zitat

Wo die DDR ihre Bürger terrorisierte

Ein beklemmender Rundgang durch das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen in Berlin.

Quelle mit weiterführenden Links und einer Fotogalerie mit 16 Fotos
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Zu-Besuch-im-gefuerchteten-StasiGefaengnis/story/19016624

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BeitragVerfasst am: 28.09.2010, 10:11    Titel: Antworten mit Zitat

Die meisten politischen Häftlinge der DDR im Cottbuser Gefängnis
Cottbus.


Mehr als 82 Prozent der Insassen im ehemaligen Cottbuser Zuchthaus haben allein wegen der drei politischen Delikte „versuchte Republikflucht“, „staatsfeindliche Verbindung“ und „staatsfeindliche Hetze“ eingesessen. Das ergab eine repräsentative Untersuchung.


Die Ergebnisse einer ersten Befragung ehemaliger Häftlinge des Gefängnisses teilte der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus am Montag mit. Die ermittelten Quoten decken sich den Angaben zufolge mit einem jetzt gefundenen Dokument der Birthler-Behörde mit entsprechenden Informationen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit.

Die Befragung lief in den vergangenen drei Jahren im Rahmen des Forschungsprojektes der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Cottbuser Vereins. Demnach wurden von bisher 1000 namentlich ermittelten Häftlingen der Strafvollzugsanstalt in Cottbus 172 ausführlich zu ihrer politischen Verfolgung in der DDR, zur Haftzeit und den Jahren nach der Entlassung befragt. Von ihnen hätten 80 Prozent die medizinische Betreuung während der Haft als miserabel bewertet, erläuterte der Projektleiter Tomas Kittan. 72 Prozent berichteten von einer schlechten Ernährung. Physische Leiden nach der Freilassung gaben 68 Prozent an.

Vier Fünftel der Befragten wurden laut Studie zwischen 1961 und 1989 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Nach den jüngsten Forschungen beträgt die Gesamtzahl der aus dem Cottbuser Gefängnis Freigekauften weit über 5000 Frauen und Männer. Dies war die höchste Quote in der DDR, hieß es.

Die Befragungsergebnisse wurden anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit in der aktuellen Ausgabe des in Bielefeld erscheinenden »Deutschland-Archivs« publiziert.

Zu den ehemaligen Häftlingen im Cottbuser Gefängnis zählen Prominente wie der Brandenburger CDU-Generalsekretär und Vorsitzende des Vereins Menschenrechtszentrum Cottbus, Dieter Dombrowski, Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD), Biathlon-Bundestrainer Uwe Müßiggang, die Schauspieler Gerd Zimmermann und Uwe Kockisch sowie der verstorbene Theaterintendant Ralf-Günther Krolkiewicz und Musiker Dietrich Kessler von der DDR-Gruppe »Magdeburg«. Von den befragten ehemaligen politischen Häftlingen bezieht den Angaben zufolge jeder Zweite die SED-Opferrente von monatlich 250 Euro. Peter Jähnel

Quelle:
http://www.lr-online.de/nachrichten/brandenburg/Die-meisten-politischen-Haeftlinge-der-DDR-im-Cottbuser-Gefaengnis;art25,3048010
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Vera Tellschow



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BeitragVerfasst am: 11.03.2013, 11:46    Titel: Antworten mit Zitat

Die Haftbedingungen in den UHA und StVA des Ministeriums des Inneren(MdI) waren meiner Meinung nach noch schlimmer wie in den Anstalten der Stasi. 1973 gab es in der UHA Weimar, in der StVA Leipzig Kästnerstraße noch Blenden vor den Gitterfenstern. Einzig und allein im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf gabs größere Fenster, die man selbst öffnen konnte, jedoch auch Gitter davor. Ich befand mich 1973 in der UHA Weimar, in der StVA Leipzig Kästnerstraße und auch im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf, weiß daher über die damaligen Zustände sehr gut Bescheid. Wer keinen Transport (Sammeltransport) im Grotewohl-Express "erfahren" brauchte, kann sich heute noch glücklich schätzen. Obwohl ich "nur" 3 Monate in der UHA Weimar war, § 213, habe ich die 3 Haftanstalten durchlaufen müssen und daß reichte für einen gesundheitlichen Schaden Posttraumatische Belastungssörung (einschließlich Schwangerschaftsunterbrechung gegen meinen Willen) wegen politischer Unfähigkeit zur Erziehung eines Kindes. Zur selbigen Zeit feierte Berlin ausgelassen die Weltfestspiele der Jugend.
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Matthias Härtel
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BeitragVerfasst am: 12.03.2013, 18:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Vera,

ich denke mal es war überall ziemlich schlimm. Musste 1983 auf Transport eine Nacht in der U-Haft Dresden zubringen. Du lieber Himmel, was für Löcher mit Glasbausteinen, stickige Hitze und nichts zu trinken.

Das mit der erzwungenen Abtreibung tut mir sehr, sehr leid.

Ein Freund von mir arbeitet in einer Haftanstalt hier bei mir in Bayern und
kann immer nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich ihm erzähle, wie es damals so war, in der DDR.

Dagegen befinden die sich heute im Luxus Urlaub!

LG

Matthias
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ReiBin
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BeitragVerfasst am: 12.03.2013, 23:27    Titel: Antworten mit Zitat

Der verlogene Nachbau einer Stasi-Zelle im Museum Runde Ecke in Leipzig

Und wie es wirklich im Stasi-Gefängnis Leipzig war

http://www.sed.stasiopferinfo.com/phpBB2/viewtopic.php?t=322

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Lutz



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BeitragVerfasst am: 28.09.2013, 10:38    Titel: Antworten mit Zitat

Im gefürchtetsten DDR-Gefängnis

http://www.buerstaedter-zeitung.de/region/lampertheim/13482640.htm
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